Die Dorfkirche zu (Klein-) Stöckheim
Im Jahre 1007 wird Stöckheim erstmals urkundlich erwähnt. Die Ortsnamensforschung schätzt das Alter der „heim“- Orte auf mindestens die Karolingerzeit zurück. Demnach muß Stöckheim schon zur Karolingerzeit bestanden haben. Karl der Große kam im Jahre 780 nach Ohrhem – heute Ohrum (auch ein „heim“-Ort)– wo sich zahlreiche Sachsen taufen ließen. Mag sein, dass darunter auch Bürger von Stokkem (Stöckheim) gewesen sind.


Dr. Wilhelm Bornstedt und Dr. H.A. Schultz vom Braunschweigischen Landesmuseum für Geschichte und Volkstum haben 1964 eine Grabung an der Kirche in Stöckheim vorgenommen und an den Fundamenten den vermutlich ältesten Teil der Stöckheimer Dorfkirche nachgewiesen. Diese erste kleine Dorfkirche hätte demnach die Ausmaße von 10,5 m Länge und ca. 6m Breite gehabt, wobei die Mauerstärke bei 0,7m lag und die Deckenhöhe bei etwa 2,6m. Ein zugemauertes Rundbogenfenster an der Nordseite stammt wohl von dieser ersten Kirche, die vielleicht schon auf die Karolingerzeit zurückgeht. Mag sein, dass Stöckheim schon im Jahre 1007 eine kleine steinerne Dorfkirche hatte. Nachweisen kann man das bis heute definitiv nicht.
Bau des Spätromanischen Turms
Auch der Bau des spätromanischen Turms um 1200 bis 1230 ist nicht durch urkundliche Unterlagen gesichert. Da der Turm mit seinen Ausmaßen von 6,25m mal 4,8m und einer Mauerstärke von 1,2m in die „karolingische“ Kapelle teilweise hineinragt, ist anzunehmen, dass in dieser Zeit die frühe Kirche umgebaut wurde.


Der spätromanische Turm hatte ursprünglich vier Doppelschallöffnungen. Heute öffnet sich die Glockenstube nach Süden, Norden und Osten mit Rundbogenfenstern mit Teilungssäulen und Würfelkapitellen, die die eingerückten Teilungsbögen in Kleeblattform tragen.
Die Weihetafel
Die Kirche hat dann im 15. Jh. eine Erweiterung erfahren. Es ist anzunehmen, dass die ehemals romanische Kirche eine gotische Vergrößerung erhalten hat. Eine Weihetafel an der Apsis am östlichen Teil der Kirche weist darauf hin. Darauf ist Christus am Kreuz auf einer Erhöhung und rechts und links davon Maria und Johannes von vorn dargestellt. Die darunter vertieft eingehauene Miniskulienschrift war schon 1760 schwer entzifferbar und lautet etwa:
„anno dm mcccclxx copulu est…
d-ca …i memoria passiois xi….pro datore”,
(geweiht zum Gedächtnis des Leidens Christi für uns in den Tod gegeben)

Im Jahre 1823 wurde eine grundlegende Erneuerung der Kirche vorgenommen. Damals wird wohl auch die Apsis beim Altar angefügt worden sein, die heute auf der Außenseite das Relief trägt. Bei diesem Umbau müssen auch die hölzernen Priechenaufgänge an der Süd- und Nordseite des Kirchenschiffes angefügt worden sein.

Zerstörung 1945 und Wiederaufbau
Am 31. März 1945 wurde durch einen Bombeneinschlag der Kirchturm zerstört. Nur die Südmauer des Turms blieb stehen. Auch das Kirchenschiff und dessen Dach erlitten schwere Schäden. Rührige Gemeindemitglieder verhinderten den Plan des Stadtkirchenbauamtes, die Ruine abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.
Die Dorfkirche wurde in den Jahren 1951 bis 1955 wieder aufgebaut. Die äußeren Priechenaufgänge und die inneren Holzpriechen wurden entfernt und eine Betonempore eingebaut. Noch heute kann man an der Nord- und Südseite die zugemauerten Priecheneingänge erkennen. Die Neuweihe der Kirche fand am 27. März 1955 statt und am 27. April 1958 wurden die beiden neuen Glocken (Ton a’ und fis’) geweiht.
Die Kirche heutzutage
Die Kirche zeigt sich heute im Inneren sehr schlicht. Seit dem Jahr 2005 schmückt ein Taufengel des Künstlers Richard Schröder das Taufbecken
Auf Grund starker Verwitterungsschäden an den Turmmauern, die überwiegend aus Rogenstein, Glimmersandstein und Wellenkalk bestehen, wurde der Turm im Jahre 1993/94 verputzt und weiß getüncht.

Taufengel
Der Taufengel ist von dem Künstler Dieter Schröder geschaffen worden. Die Plastik ist aus Holz und verweist mit der rauen Oberflächenbearbeitung auf die Verbundenheit der Engel mit den Menschen, die den vielen Unwägbarkeiten des Lebens ausgesetzt sind. Engel sind keine entfernten himmlischen und glattgehobelten Wesen, sondern Stütze und Hilfe für die Menschen, die in schwierigen Zeiten den Unbilden des Lebens ausgesetzt sind. Zugleich öffnet der Engel die Flügel und empfängt die Täuflinge mit den Worten „Seid getrost, ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt“. Der Taufengel hat am 13. November 2005 Einzug in die Kirche gefunden.
Orgel
Am 23. September 2018 wurde eine neue Orgel geweiht, die dort im Verlaufe des Jahres von der in Braunschweig ansässigen Orgelbauwerkstatt Florian Fay errichtet worden war. „Aufgrund der speziellen räumlichen und akustischen Verhältnisse der Kirche war dieser Orgelneubau eine große Herausforderung, die mit einem besonderen Orgelkonzept und der Ausstattung mit zwei Manualen, Pedal sowie elektronischer Setzeranlage in hervorragender Weise gemeistert worden ist.“(Dr. Ingo Decker).
© Rudolf Zehfuß 2007, ergänzt und aktualisiert Michael Schmidt 2025

