Das Große Weghaus

Das Große Weghaus in Braunschweig-Stöckheim


Am ehemaligen herrschaftlichen Weg liegt das Große Weghaus in Stöckheim. Der Ort war durch seine Lage auf halber Strecke zwischen den Residenzen der Braunschweiger Herzöge in Braunschweig und Wolfenbüttel ein idealer Standort für den Bau eines Gasthauses, um den Reisenden einen Zwischenhalt zu bieten. Zwischen 1691 und 1693 errichtete der Kammersekretär Johann Urban Müller mit höchstherzoglicher Bewilligung das Gasthaus, das in seiner Geschichte Herberge für viele bekannte Persönlichkeiten wurde.

Wirtshaus am herschaftlichen Weg

Den herrschaftlichen Weg ließen die Braunschweiger Herzöge anlegen, um eine schnelle Verbindung zwischen ihren Residenzen in Braunschweig und Wolfenbüttel zu schaffen. Davor mussten sie sich den alten Heerweg mit den Ochsenkarren von Bauern und Händlern teilen. Quasi eine Schnellstraße ausschließlich für die Herzöge und ihr Gefolge. Die Benutzung war streng reglementiert und seine Nutzung wurde als Privileg an hochstehende Persönlichkeiten vergeben. Findige Bürger, aber auch Händler fanden jedoch Mittel und Wege sich Zugang zu diesem Privileg zu verschaffen sowie die Verlegung der herzoglichen Residenz nach Braunschweig, bewogen die Herzöge, den herrschaftlichen Weg allgemein zu öffnen, allerdings gegen Gebühr. Im Stöckheimer Weghaus wurde zu diesem Zweck eine Mautstation eingerichtet. Der Wegezoll entfiel erst 1868, nachdem die 1. Staatseisenbahn zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel sowie die Einrichtung eines Postkutschendienstes, die Wegezoll-Einnahmen rapide sinken ließen. Die Bedeutung des Großen Weghauses als Wirtshaus blieb allerdings bestehen, nahm nach der Einrichtung der Straßenbahnlinie zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel sogar nochmals zu. Das Gasthaus wurde zum Ausflugsziel.

Berühmte Gäste im Großen Weghaus



In seiner Geschichte stellten sich im Großen Weghaus illustre Gäste ein. Gotthold Ephraim Lessing gehörte dazu, der zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel, seinem Arbeitsort, häufig pendelte. Später gehörte Wilhelm Raabe und die Gesellschaft der „Kleiderseller“ zu den häufigen Gästen dort. In Raabes Roman „Wunnigel“ erwähnt er ein Gasthaus „Riedhorn“ dessen Vorlage das Große Weghaus war.

Grundriss des Großen Weghaus


Das barocke Große Weghaus steht mitten auf dem herrschaftlichen Weg. Es erhielt daher in der Mittel des Hauses eine Durchfahrt, die es den herrschaftlichen Gästen erlaubte, mit ihren Kutschen hineinzufahren und trockenen Fußes in die Gasträume zu gelangen. Diese Durchfahrt ist auch heute noch deutlich durch die großen Türen zwischen den toskanischen Doppelsäulen zu erkennen. Äußerlich hat sich das barocke Erscheinungsbild erhalten, im Inneren haben zahlreiche Umbauten die ursprüngliche Ausstattung verdrängt. Auch der barocke Lustgarten, der sich östlich anschloss, ist bis auf eine kleine parkähnliche Grünfläche verschwunden.

Die Ungewisse Zukunft eines historischen Gebäudes



2014 wurde das Gebäude nochmals teilsaniert, um es zeitgemäßen Nutzungen zuzuführen. Es beherbergte in der Folgezeit, eine türkische Gaststätte, im ersten Obergeschoß Agenturräume und im zweiten Obergeschoß eine Privatwohnung. Der jetzige Eigentümer bietet es nun für 1,9 Millionen € zum Verkauf an. Viele Stöckheimer Bürger würden sich in dem denkmalgeschützten Gebäude eine öffentliche Nutzung als Kultur- und Gemeindezentrum wünschen, was allerdings angesichts knapper öffentlicher Kassen ein frommer Wunsch bleiben wird. Es bleibt zu hoffen, dass ein neuer Eigentümer und die zukünftige Nutzung der historischen Bedeutung des Gebäudes für die Braunschweiger Geschichte gerecht werden.


© Michael Schmidt, 2025 (veröffentlicht 2025 in Der Loewe)